OLIVIA ETTER

Auf der Findung (Zum Wirken von OLIVIA)

Seit Olivia 1980 mit 24 als Künstlerin enttarnt wurde, ist ihre offenbare Berufung öffentlich, und überrascht sie in zeitlichen Abständen immer wieder mit eigenwilligen, wahrhaftigen, ja Magie ausstrahlenden Werken. Ihre Form des Ausdrucks ist vorwiegend plastisch, jedoch von erstaunlicher Vielfalt und gleichzeitig innerer Verwandtschaft. Kompromisslos jenseits von Stilrichtungen, immer wieder anders, aber unverkennbar Olivia, eine eigene Welt, die anspringt und Staunen machen kann. Das betrifft nicht nur Form, Ausdruck und Inhalt, sondern auch die Materialien, mit denen sie arbeitet.

Olivia ist eine Tüftlerin, die laufend Mischtechniken erfindet, ausprobiert und entwickelt – es soll einfach dem jeweiligen Werk entsprechen und stimmen. Sie muss ihre Arbeiten selber lieben, andernfalls werden sie gnadenlos vernichtet. Oft gleicht ihr Atelier einer katastrophal chaotischen Alchymistenküche, aus der nur zenmässig klare Produkte – quasi das Gold – ins Licht der Welt entlassen werden dürfen. Werke von mitunter archaischer Eleganz, Resultate aus Inspiration, nicht Phantasie. Ihr Vorgehen folgt einem Sufi-Grundsatz, nämlich: kann ich – darf ich – will ich. So kann es manchmal fast Jahre dauern, bis eine Idee fertig umgesetzt ist. Ein existenzielles Ringen.

Bekannt geworden sind ihre «Etterlinge». Das sind filigrane Kleinstplastiken, eine Art Insektenwesen aus Blättern, Schoten, Halmen, Kapseln, Samen. Ein sehr eigenartiges Völklein, das sich stetig vermehrt und ausbreitet, ausgestattet mit viel Poesie und Humor. Welch letzteres eh ein Wesenszug ihrer Werke ist.

Oft haben ihre Skulpturen gefässartige Öffnungen, so dass man vermeint, deren Atem zu spüren... Eine der grossen Plastiken, die «Gottesanbeterin», ist auf das absolut Wesentliche reduziert und hat die bestechende Qualität eines Brancusi.

Überhaupt fällt auf, dass Olivia einen intensiven Naturbezug hat, ein aufmerksames Auge für kleine Welten, ein Gespür. Und auch der herumliegende Zufall darf zufallen, mitspielen. Sie bildet die Natur nicht ab, sondern arbeitet mit deren Elementen, erfühlt sie, dergestalt ihrem ureigensten geheimen Leben Ausdruck verleihend. Weiblich, erotisch. Es entstehen so beseelte Figuren, Objekte und plastische Wandbilder.

Demütig und visionär transportiert sie damit grundlegende Werte, wirkt als Katalysator und Kunstbotschafterin fürs Paradies, für eine Weltunion (ihr im weitesten Sinn politischer Bezug). Eigentlich ist Olivia eine Mystikerin, und hat sich selber einmal als "krankhaft schöpferischen Menschen" bezeichnet. Ihr ist bewusst, dass Kunst eine Aufgabe hat, und nicht einfach Unterhaltung oder Dekoration sein kann.

Urban Gwerder

«Etterlinge»
seit 1992, Schoten, Blätter, Halme, Samen usw. (Kleinstplastiken)


BiOlivia

Gepurzelt am 31. 10. 1956 als Urnäscherin und Äffin. 1972 Vorkurs der Kunstgewerbeschule Zürich. 1980 entdeckt durch die Kuratorin Bice Curiger, und mit der legendären Stadtkunstausstellung «Saus und Braus» mit ebensolchem in die Öffentlichkeit katapultiert. Seither nachhaltig kreativ unterwegs, mit Unterbrüchen (1989-96 in Wien) vorwiegend von Zürich aus wirkend (und Leggia/GR).

Ausstellungen und andere künstlerische Aktivitäten

Anfänglich mit subversiven Rauminstallationen, Wandmalereien und witzigen ironischen Selbstdarstellungen, – dann je länger je mehr vorwiegend plastisch arbeitend – , wirkte sie immer wieder befruchtend und inspiriert in etwa 70 Gruppen- und 7 Einzelausstellungen. Auswahl:

«Bilder», Kunstmuseum Winterthur 1981
«Bewegungsräume», Gritta und Insam, Wien 1984
«Synonyme für Skulptur», Graz 1985
«Spektrum Zürich», Toronto 1986
«Swiss Pralines», Graz 1986
«Stiller Nachmittag», Kunsthaus Zürich 1987
«Schöner Malen», Helmhaus Zürich 1993
Solo: Galerie Esther Gwerder, Schwyz 2001

Ausserdem von 1984-2002 vierzehn eidgenössische, kantonale, städtische und private Kunstpreise und Stipendien. 1983-2004 diverse Kunst-am-Bau-Aufträge. 1980-85 verschiedene Auftritte als Sängerin/Performerin (u.a. in «Der geringste Widerstand» von Fischli/Weiss).
1987 erscheint in Zürich der Fotoband «Bekannte Bekannte 1» von Andreas Züst, inspiriert, mitiniziiert und grossenteils ausstaffiert durch Olivia...

Zu den Gross-Projekten (1990-92) gehört die Idee zur «Frühstückstafel des utopischen Realismus», künstlerische Mitarbeit an derselben in Wien und Prag, sowie das Aufdecken des Gemeinschaftswerkes im Ballspielsaal auf dem Hradschin in Prag. 2001 ist Olivia Mitinitiantin der grossen Freilicht-Skulpturenausstellung «Open Art» in Roveredo/GR, die seither jährlich im Sommer stattfindet.
Seit 2005 Kuratorin des «WaKuMoMi», das ist ein Wanderndes Kunsthaus für Modelle und Miniaturen im "Puppenstubenformat", welches einfach transportabel ist, und mit wechselnden Ausstellungen überall stattfinden kann. Alles "wie richtig" (mit Katalog und Vernissage) – nur kleiner.

Galerie
(
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Aktuell

Kunst: wann immer sie sein darf/soll... Gemeinsam mit anderen Menschen am Leben weben... Kurse für kleine und grosse Schüler in dreidimensionalem Gestalten... "Open House"- Sommersaison im «Casa degli Artisti»
(siehe "Kontakt & Shop" und freue Dich).


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