Das Bio-Bibliograviech von
URBAN GWERDER

Urschweizerischer (Muotathal) und arabisch-zigeunerischer Abstammung, geboren am 5. 9. 1944 (im Affenjahr!) –
Dichter, Performer, Gestalter, Publizist, 'Pataphysiker, Netzwerker. Seit 1960 ein kultureller Faktor, mit Unterbrüchen vorwiegend von Zürich aus wirkend.

Publikationen & Events

Gwerder (Gedichte, Aphorismen, Visionen; Sonderheft von «Reflexe», Adliswil 1961).
Oase der Bitternis (Gedichte, Arche-Verlag, Zürich 1962; gleichzeitig mit der Geburt meines Sohnes Wanja).
Nach fast zweijährigem Exil in Artigues, Landes, in der Nähe von Bordeaux: La Loi du Comte Merdreff (Poetisches Manifest, Zürich 1965).
singe sengt (Gedichte, limitierte bibliophile Luxusausgabe bei Dölf Hürlimann, Zürich 1965).
AnarCHIE du Manifeste (aristokritisch-gigantische Wertschrift, Zürich 1966); Teilnahme an «50 Jahre Dada».
Chicorée (mehrfach ausgezeichneter fulminanter Experimental-Film mit Fredi M. Murer, 1966).
1966/67 auf Tournée in CH und BRD mit einer multimedialen Poetry-Performance namens Poëtenz (Film, Gedichte, Songs, Rockmusik, Ausstellung und Gespräche mit dem Publikum; 15 Auftritte).
Poëtenz (Sonderausgabe der Literaturzeitschrift «contre», Zürich 1966).
Tilt (Gedichte, Songs, Collagen, im Walter Zürcher Verlag, Bern 1967 – mit dem allerersten Poster von H.R. Giger als Original-Beilage).

1968-71 Herausgeber, Schreiber und Gestalter der legendären Sippenzeitschrift HOTCHA! in 61 weltweit verbreiteten Ausgaben, innovativ und einflussreich, ein Musterbeispiel von Gegenmedium/kreativer freier Presse, ohne Zensur, ohne Werbung, ohne Kommerz. Voller lokaler und internationaler Erstveröffentlichungen oder exklusiv autorisierten Beiträgen (u.a. von Julian Beck, Franco Beltrametti, Hannes Bossert, Henryk Broder, Anton Bruhin, Robert Crumb, Nicolas Devil, Alain Dister, Ben Eagle, HR Giger, Sergius Golowin, Manuel Halpern, Xavier Koller, James Koller, Tuli Kupferberg, Jean-Jacques Lebel, Georges Mathieu, Fredi M. Murer, Antonholz Portmann, Ed Sanders, Gilbert Shelton, Gary Snyder, Olaf Stoop, Andre Thomkins, Alesch Vital, David Weiss, Max Wiederkehr, Anatol Wyss, Stefan Wittwer, Frank Zappa, Andreas Züst). Unzählige Korrespondenten (weltweit) und gelegentliche Mitarbeiter/innen, so auch Kinder und der herumliegende Zufall. Anfangs holpriges, dann bahnbrechendes Layout, meist noch handkoloriert oder sonstwie manuell verspielt.
– Während dieser Zeit diverse Vorträge und Lesungen (u.a. Arts Lab London, Paradiso und Fantasio Amsterdam, Volksuni und Stadthaus Zürich); Veranstalter in der «Platte 27» Zürich; Ehrendoktor der KUSS (Kritische Untergrundschule Schweiz, Bern); Koordinator für das amerikanische Underground Press Syndicate (UPS) und Gründer dessen eurasischer Zweigstelle (ein absolut einmaliger internationaler Austausch/Netzwerk-Verbund!), sowie dem dazugehörigen Newsletter Intertribal Magic Ink Express (bis 1972/73) –
Übersetzer und Herausgeber der Erstausgabe (engl./dt.) von Julian Beck («Living Theatre») 21 Songs of the Revolution (April Verlag, Zürich 1969).
Erstausgabe (Raubdruck ab Original-Manuskript), zusammen mit «Georgia Straight», Vancouver, von Bob Dylan: Tarantula (Zürich 1970).
Herausgeber der gesammelten Comix von Antonholz Portmann: Cirka! (Verlag Rob Tanner, Adliswil 1974).

Seit 1967 (bis 76) Hof-Archivar und gelegentlicher Tourbegleiter von Frank Zappa.
Hot Raz Times (zap'pataphysischer Almanach, kreative Dokumentation, verspieltes Layout-Feuerwerk mit diversen Beilagen in 11 limitierten Lieferungen von 1973-75, Selbstverlag und selber gedruckt).
Co-Autor mit Alain Dister: Frank Zappa et les Mothers of Invention (Paris 1975) – gleichzeitig erster Alpsommer, mit "assistent wrangler" Kansas Jay Canzus (Ex-Lieblings-Roadie von Frank...).
Zark-Expo (multimediales Ausstellungs-Event des Zapparchives in der Galerie «Painting Box», mit den Mothers als Vernissage-Gäste, Zürich 1976).
ALLA ZAPPA (eine der ersten, grundlegenden, von ihm selber hochgeschätzten Monographien, Zürich 1976; diverse Reprints, so bei Robert Tanner / Adliswil, und Realistic Dream Factory / Recklinghausen) – dazu schrieb Carl-Ludwig Reichert:
"Der Prototyp des wahren, das heisst von seinem Meister dennoch geistig unabhängigen, freilaufenden Fans, der auch noch selbst kreativ ist, war und ist Urban Gwerder. Gwerder, das Urgestein der Schweizer Freak-Szene hat seinerzeit das erste wirklich lustige Zappa-Buch «Alla Zappa» gemacht, das zudem auch popästhetische Ansprüche erfüllen konnte."

– Von 1978-92 lebte ich in Graubünden als Alphirt, Bergbauer, Bio-Pionier, Tierheilkundiger und Ethnologe; seit 1993 (nach insgesamt 19 Alpsommern) wieder in Zürich. Von der Berglerzeit zeugen über hundert engagierte Texte und Reportagen in bäuerlichen und volkskundlichen Zeitschriften. Ich machte Feldforschung und schrieb für Hans Steinegger: Schwyzer Sagen (Schwyz 1981). Mit Sohn Wanja machte ich Berglers Balz (Ausgabe 36 von «Falk», Odisheim 1987). Parallel dazu entstand HOTCHA! 67/68 als einmalige Hier&Jetzt-Memorial-Ausgabe, nicht Revival sondern Mutmacher, mit ersten öffentlichen Botschaften meines gleichherzigen Freundes Bruno Manser (Paranoia City, Zürich 1988), und nahm ich 1990 teil als Vertreter von «bolo'bolo» am Markt der Möglichkeiten in Langenthal (Chrämerhus, zusammen mit der Gruppe «Sanfte Strukturen» um Marcel Kalberer). 1990 erschien im Verlag Paranoia City, Zürich: Olten – alles aussteigen (Co-Autor mit P.M. und Daniel de Roulet; die bodenständige Version der Vision «bolo'bolo»). –

1993 betreute ich massgeblich die historischen Neuausgaben, den Backcatalog des notorischen 60s/70s Underground-Schallplattenlabels ESP New York (50 dokumentierte CD-Booklets für diverse Künstler, so u.a. Godz, Pearls Before Swine, Holy Modal Rounders, Bruce Mackay, Mij, Erica Pomerance, Cromagnon, Sweet Pie, Bill Horwitz, Albert Ayler, Charlie Parker, Billie Holiday, Sun Ra, den Trailer «Boots 'n' Roots» bei ZYX), und schrieb seither auch "Liner Notes" (essenzmässige, poetische CD-Begleittexte) und Feedback für einheimische Musiker wie Mani Neumeier, Luigi Archetti, Stiller Has, Ragazzi, Regierung, Verwaint.
Andere, wie Claudius Scholer (aka Sky Bird), Nigey Lennon (Ex-Zappa-Musikerin) und Dide Marfurt haben Songs von mir vertont...
Copyright oder Copywrong (div. Autoren, MedienXperimente, Löhrbach 1996 – mein Text «To be an outlaw you have to be honest»).

Im Zeichen des magischen Affen
(ISBN 3-9512180-2-9, im Verlag WOA von Adrian Suter, Zürich 1998)

Da praktisch alles von mir vergriffen und äusserst rar ist, konnte ich dank einer grossen Schar von Freunden und Freundinnen (Geld, Naturalien, Handarbeit) dieses verspielte, monumentale Blätterbuch, ein bibliophiles Bijou, realisieren, ausgezeichnet mit «Schönste Schweizer Bücher 98». Mein gesammeltes Schaffen von 1959-98, eingepackt und dokumentiert in die Story eines konsequenten Lebens, eine Kulturgeschichte der Gegenkultur aus erster Hand.
Berglers Balz, CD mit Tondokumenten zum Buch: Urban Gwerder, Anton Bruhin, Claudius Scholer, Bruce Mackay, Nigey Lennon, Frank Zappa & Mothers – (Zürich 1998).
– 1999-2002 Performances u.a. Kreuz Nidau, Klibühni Chur, Theaterspektakel Zürich, Forum der Schweizer Geschichte Schwyz, Zaffaraya Bern, Open Hair Muotathal, Winterthurer Musikfestwochen, Expo 02 Piratenschiff. –
Mitarbeit an Endo Anaconda: Hasentexte (Zürich 1999).
2001 Mitinitiator der ersten Freilicht-Skulpturenausstellung «Open Art» in Roveredo/GR.
Allen Ginsberg (div. Autoren, Der Sanitäter Nr. 9, Ostheim/Rhön 2002 – mein Poem «No Lament»).
Gelegentlicher Gastdozent an Gymnasien, Musikhochschulen, Universitäten...


Urban Gwerder
mit Endo Anaconda
(Stiller Has)

Projekte

Erweiterte "Volksausgabe" meines zur Neige gehenden «Im Zeichen des magischen Affen»; Monographien über den Musiker Mani Neumeier (GuruGuru) und die Künstlerin Olivia Etter. Alle drei Werke suchen noch einen Verlag!
Mit der Zeit und bei genügendem Interesse plane ich eine CD-Rom von Hot Raz Times, ev. gar von HOTCHA!... vielleicht, wenn möglich, auch DVD von Chicorée.

Das wär's für heute (siehe auch "Kontakt & Shop"), freut euch!


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